Sportrelevante Sehfunktionen

Beim Sport werden bis zu 95 Prozent der Bewegungen durch das Auge kontrolliert und korrigiert. Dies erfolgt beim Erlernen der für den Sport relevanten Bewegungen, wie auch bei der Automatisation der Bewegungsabläufe.

Die visuelle Wahrnehmung beim Sport ist entscheidend für die:

  • Bildung einer Orientierungsgrundlage als Raumwahrnehmung

  • Kontrolle von Eigenbewegung als Bewegungswahrnehmung

  • Antizipation von Fremdbewegung als Grundlage für Entscheidungen und Voraussetzung für eigenes Handeln

  • Bewegungsbeurteilung

Visus = Statische Sehschärfe

  • Räumliche Auflösung (Sehschärfe)
    Die Fähigkeit, zwei räumlich sehr nah benachbart präsentierte Reize noch als Einzelreize erkennen zu können. Will man etwas "scharf" sehen, richtet man seinen Blick auf das zu betrachtende Detail. Dies bewirkt, dass das Abbild des Objektes auf der Netzhaut auf die Fovea centralis projiziert wird.

  • Zeitliche Auflösung
    Die Fähigkeit, kurz hintereinander auf der Retina eintreffende Lichtreize als zeitlich voneinander unabhängige wahrzunehmen (für die Wahrnehmung von Bewegung wichtig) = Flimmerverschmelzfrequenz.

Die Sehschärfe ist die Grundvoraussetzung für visuelle Teilleistungen wie z. B. das Einschätzung von Entfernungen oder um Unebenheiten auf dem Boden zu erkennen. Je besser die Sehschärfe ist, desto besser ist zudem die Präzision der Erst- und Korrektur-Sakkaden (siehe unten). Daher sollten Sportler einen Visus von mindestens 1,0 erreichen. 20 % der Menschen sind kurzsichtig. 30 % der Menschen sind übersichtig. Hochleistungssportler haben jedoch nie mehr als + 7 oder -7 Dioptrien.

Farbensehen

Farben werden vom Rand zum Zentrum des Sehens hin wahrgenommen. Zuerst wird gelb und blau erkannt, weiter innen rot und grün. Dies könnte ein Grund für die bunten Farben der Fußballtrikots sein. Wer über ein gutes Farbensehen verfügt, kann zudem Kontraste besser erkennen. Bei etwa 8 % der Männer und etwa 0,5 % der Frauen ist jedoch das Farbensehen gestört.

Raum- und Bewegungssehen

Gesichtsfeld ist der Teil der visuellen Umwelt, der bei fixierter Blickachse wahrgenommen wird. Es umfasst vertikal ca. 130 °, horizontal ca. 180 - 200 °. Das Gesichtsfeld kann durch den Einsatz von Blickbewegungen mit Hilfe der Augenmuskeln auf ein Blickfeld von bis zu horizontal 270°  erweitert werden.

Zentrales (foveales) und peripheres Sehen sind beides Teile des wahrgenommenen Gesichtsfeldes. Zentrales Sehen entspricht der visuellen Wahrnehmung auf der Fovea centralis = die Stelle des schärfsten Sehens auf der Netzhaut und deckt einen Sehwinkel von ca. 2 ° ab. Der übrige Teil der Netzhaut, die Netzhautperipherie entspricht dem peripheren Sehen. Zentrales wie peripheres Sehen wirken je nach Art der visuellen Reizung sowie physiologischen, psychischen und kognitiven Aspekten der Wahrnehmung unterschiedlich an dem tatsächlich entstehenden visuellen (Gesamt-)Eindruck der Umwelt mit.

Sportler mit größerer Gesichtsfeldausdehnung können synchron-optisch präsentierte Entscheidungssituationen häufiger richtig lösen. Die Größe des Gesichtsfeldes lässt sich nicht beeinflussen, aber seine funktionelle Ausschöpfung bzw. Nutzung. Das synchron-optische Sehvermögen ist eine Sonderform des peripheren Sehens.

Das räumliche Sehvermögen ermöglicht, den Ballflug zu erfassen, zu verarbeiten und vom Timing her in eine optimale Aushol- und Schlagbewegung umzusetzen.

Dynamisches Sehen

Die Koordination der Augenbewegungen ermöglicht die Einschätzung eigener bzw. fremder Körperbewegungen. Bewegungssehen ist der Wechsel von Folgebewegungen und Sakkaden (Blicksprüngen).

Folgebewegungen ermöglichen die bessere Beobachtung von Objekten als Sakkaden. Sportler, die Sportarten mit schnellen Bewegungen (Tischtennis, Tennis oder Basketball) ausführen, verfügen über ein besseres Bewegungssehen als Wettkampfrichter oder Nichtsportler.

Das dynamische Sehen ist trainierbar. Training der schnell ablaufenden Sportarten verbessert das dynamische Sehen und die höheren Funktionen wie Augen- Kopf-Körper- (Arm- Hand- Bein- Fuß) Koordination. und die Anpassung an Umfeldveränderungen (Bodenfehler).

Auf die statische Sehschärfe haben die Übungen keinen Einfluss.

Fazit

Profis sehen schneller. Wer schlecht sieht, verbraucht mehr Energie durch die erhöhte Sehanstrengung. Die Folgen: Die Muskeln verkrampfen sich und ermüden. Zudem steigt die Verletzungsgefahr durch die verspätete Reaktion.

Daher sollte die Brille auch beim Sport getragen werden. Die Sehanforderungen, Sicht- und Witterungsverhältnisse sind bei den verschiedenen Sportarten unterschiedlich. Deshalb gibt es funktionelle, auf bestimmte Sportarten zugeschnittene Sportbrillen. Mehr dazu bei den einzelnen Sportarten.

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